DE Demographie · Geburtenrate · Datenanalyse 2026
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Datenanalyse · April 2026

Hat Deutschland
ein Geburten­problem?

Eine deskriptive Bestandsaufnahme — Geburtenraten, Schichten, Regionen, Migration.

TFR 2024 1,35 Kinder/Frau
Lebendgeborene 2024 677.117
Kapitel 16
2,1 1994 0,77 (Ost) 2016 1,60 2024 1,35 1991 2007 2024
Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Eurostat, UN World Population Prospects 2024. S. Becker · 2026
Kapitel 01 Heute · Stand 2024
1,35
Kinder pro Frau · Deutschland · 2024

Die zusammengefasste Geburtenziffer fiel 2024 auf den niedrigsten Stand seit 2009 — und liegt 34 % unter dem Bestandserhaltungs­niveau von 2,1 Kindern je Frau.

677.117 Lebendgeborene 2024
−15.872 vs. Vorjahr
31,8 J. Mütterliches Durchschnittsalter
30,4 J. Erstgebärende
Quelle: Destatis, Pressemitteilung Nr. 259/2025; Werte für 2022 und 2023 nach Zensus-2022-Revision. 02 / 16
Kapitel 02 Langzeitverlauf

Drei Geburten­rückgänge
seit 1990.

Nach dem Einbruch von 1990–95 und dem zweiten Tiefpunkt 2011 folgte eine kurze Erholung — bis 2017 der dritte, anhaltende Rückgang einsetzte.

Zusammengefasste Geburtenziffer Deutschland
Kinder je Frau · 1991–2024
Quelle: Destatis, BiB. Werte 2022 und 2023 nach Zensus-2022 leicht aufwärts revidiert. 03 / 16
Kapitel 03 Ost vs. West

Vom Geburten­einbruch
zur Annäherung — und zurück.

Nach der Wiedervereinigung halbierte sich die ostdeutsche Geburtenrate auf 0,77. Heute liegt sie wieder unter dem Westniveau.

TFR West- und Ostdeutschland im Vergleich
Kinder je Frau · 1990–2024

Schlaglichter

Ost-Tief 1994
0,77
Einer der niedrigsten je in einem Industrieland gemessenen Werte.
Ost überholt West
2008
Bis 2020 lag Ostdeutschland zeitweise über dem Westniveau.
Aktuelle Lücke 2024
−0,11
West 1,38 vs. Ost 1,27. Die Geburtenzahl im Osten liegt 55 % unter 1990.
Quelle: Destatis, BiB Fakt B-09; Ostdeutschland ohne Berlin. 04 / 16
Kapitel 04 Regionalverteilung

Niedersachsen oben,
Berlin ganz unten.

2024 reichte die TFR-Spanne der 16 Bundesländer von 1,21 bis 1,42. Alle 16 Länder verzeichneten einen Rückgang.

Zusammengefasste Geburtenziffer nach Bundesland
Ausgewählte Werte 2024 · Stadtstaaten + Extremwerte hervorgehoben
Quelle: Destatis, Pressemitteilung Nr. 259/2025; ZDFheute. Westliche Flächenländer im Mittel 1,38 / Östliche 1,27. 05 / 16
Kapitel 05 Stadt-Land-Gefälle & endgültige Kinderlosigkeit

In Großstädten
bleiben am meisten Frauen kinderlos.

Die regionale Differenz verläuft heute weniger ost-west als entlang der Stadt-Land-Achse — sichtbar besonders in der endgültigen Kinderlosenquote der 45- bis 49-Jährigen.

Endgültige Kinderlosigkeit · Frauen 45–49 Jahre 2018
Anteil ohne leibliches Kind in % · Ausgewählte Bundesländer
Quelle: Destatis Mikrozensus 2018; bpb. Stadt-Land-Daten Bayern 2022 (BLfStaD): Regensburg 1,07 vs. Amberg-Sulzbach 1,83. 06 / 16
Kapitel 06 Sozioökonomie

Der Bildungs­gradient
schließt sich.

Akademikerinnen blieben jahrzehntelang am häufigsten kinderlos. Bei den jüngsten Jahrgängen, die das fertile Alter abschließen, ist die Lücke deutlich kleiner.

Endgültige Kinderlosenquote nach Bildung
Frauen 45–49 Jahre · in % · Mikrozensus 2022 nach Geburtsjahrgang
Quelle: Destatis Mikrozensus 2022, bpb-Sozialbericht 2024; BiB-Working-Paper „Talsohle bei Akademikerinnen durchschritten?". 07 / 16
Kapitel 07 Staatsangehörigkeit

Deutsche Frauen:
so wenige Kinder wie 1996.

Die Lücke zwischen deutscher und ausländischer Staatsangehörigkeit verringerte sich seit den 1990er Jahren — aktuell wächst sie wieder.

TFR nach Staatsangehörigkeit der Mutter
Kinder je Frau · 1991–2024

2024 im Detail

Deutsche Staatsangehörigkeit
1,23
Niveau zuletzt 1996 erreicht.
Ausländische Staatsangehörigkeit
1,84
Spitze 2016: 2,28. Seit 2017 fast kontinuierlich rückläufig.
Geburten 2023 nach Pass
72 / 28
% der Geburten von Müttern mit deutscher (500.670) bzw. ausländischer Staatsangehörigkeit (192.319).
Quelle: Destatis, BiB Fakt B-43. „Ausländerinnen-TFR" hängt stark von der Zusammensetzung der Migrantinnen-Population ab. 08 / 16
Kapitel 08 Migrationshintergrund

Bei Kindern unter fünf:
fast jedes zweite hat MH.

Über das Konzept Migrationshintergrund erfasst der Mikrozensus auch eingebürgerte Deutsche, Spätaussiedler und in Deutschland geborene Kinder mit eingewanderten Eltern.

42,6 %
Anteil mit Migrations­hintergrund · Kinder unter 5 Jahren · 2024
Bei den unter 15-Jährigen lag der Anteil 2022 bereits bei 41 %. In der Gesamtbevölkerung sind es 30,4 % (25,2 Mio. Personen).
13,0 / 12,2
Mio. Personen mit MH
Davon 13,0 Mio. mit deutscher Staatsangehörigkeit (eingebürgert / Aussiedler) und 12,2 Mio. ohne deutschen Pass.
Hauptherkunfts­regionen aller MH-Personen
Bestand 2024 · in Millionen
Quelle: Destatis Mikrozensus 2024 (Erstergebnisse); bpb Soziale Situation Deutschland. 09 / 16
Kapitel 09 Generationen-Konvergenz

Schon die zweite Generation
passt sich an.

In Deutschland geborene Frauen mit türkischem Hintergrund weisen ein Geburtsverhalten auf, das deutlich mehr ihren westdeutschen als den türkischen Altersgenossinnen ähnelt.

1.5-Generation

In der Türkei geboren,
als Kind eingewandert

86 %
erstes Kind bis Alter 35

Median-Erstgeburtsalter: 24 Jahre. Geburtsverhalten nahe an Frauen in der Türkei (90 %).

2. Generation

In Deutschland geboren,
türkische Eltern

77 %
erstes Kind bis Alter 35

Median-Erstgeburtsalter: 27 Jahre. Bereits deutliche Annäherung an westdeutsches Muster.

Vergleichsgruppe

Westdeutsche Frauen
ohne Migrations­hintergrund

63 %
erstes Kind bis Alter 35

Median-Erstgeburtsalter: 31 Jahre. Tief­fertilitäts-Umfeld beschleunigt die Konvergenz.

Quelle: MPIDR Rostock; Krapf/Wolf 2015; Migazin/MPIDR-Pressemitteilung. Kohorten in Deutschland geborener Frauen vs. 1.5-Gen-Migrantinnen. 10 / 16
Kapitel 10 Europäischer Vergleich

EU-weiter Tiefstand
bei 1,34.

2024 erreichte die EU-27 die niedrigste je gemessene Geburtenrate. In 24 von 27 Mitgliedstaaten ging die TFR zurück. Deutschland liegt im Mittelfeld.

Zusammengefasste Geburtenziffer · EU 2024
Kinder je Frau · ausgewählte Länder
Quelle: Eurostat (März 2026). EU-27 Mittel: 1,34. Bandbreite: Malta 1,01 — Bulgarien 1,72. Außerhalb EU: UK 1,56 (2023), Schweiz 1,33 (2023). 11 / 16
Kapitel 11 Globaler Kontext

Weltweit sinkt die Fertilität —
Afrika ausgenommen.

Mehr als die Hälfte aller Länder hat eine TFR unter dem Bestandserhaltungsniveau von 2,1. Die Welt-TFR liegt 2024 bei 2,2 — von 4,8 im Jahr 1970.

TFR nach Kontinent
Kinder je Frau · 2024 · UN-Schätzung

Globale Eckwerte

Welt-TFR 1970 → 2024
4,8 → 2,2
Mehr als halbiert. Replacement-Schwelle 2,1.
Geburten 2024 weltweit
132 Mio.
Spitze 2012: 146 Mio. Geburten.
Welt-Bevölkerungs­peak
≈ 2084
10,3 Mrd. Menschen. 28 % der Welt­bevölkerung lebt heute in Ländern jenseits des Bevölkerungs­peaks.
Niedrigster Wert weltweit
0,73
Südkorea 2024.
Quelle: UN World Population Prospects 2024 / World Fertility 2024. Werte gerundet. 12 / 16
Kapitel 12 Sterbefallüberschuss

Seit 1972 sterben
mehr als geboren werden.

Das jährliche Geburtendefizit erreichte 2023 mit –334.897 einen neuen Rekord. Ohne Migration würde Deutschlands Bevölkerung seit über fünf Jahrzehnten schrumpfen.

Geburten und Sterbefälle in Deutschland
Absolute Zahlen · 2010–2024
Quelle: Destatis Bevölkerungsstatistik. Sterbefälle 2024 vorläufig (~1,0 Mio.). 13 / 16
Kapitel 13 Migration

Der Wanderungssaldo
schmilzt rasant.

Nach dem Ukraine-bedingten Rekord von 2022 hat sich der Saldo binnen drei Jahren um 85 % reduziert. Mit der EU-27 erstmals seit 2008 ein negatives Wanderungssaldo.

Wanderungssaldo Deutschland
Zuzüge minus Fortzüge · in tausend Personen · 2010–2025
Quelle: Destatis Pressemitteilung 224/2025; Demografieportal. 2025 vorläufig (Hochrechnung). 14 / 16
Kapitel 14 16. koordinierte Bevölkerungs­vorausberechnung

63,9 bis 86,5 Millionen
im Jahr 2070.

In 25 von 27 Varianten der 16. KBV (Dezember 2025) schrumpft die Bevölkerung gegenüber 2024. Die Annahmen wurden gegenüber 2022 deutlich nach unten korrigiert.

Bevölkerungs­vorausberechnung Deutschland
Mio. Personen · Szenario­band der 16. KBV · 2024–2070
Quelle: Destatis Pressemitteilung 446/2025. Annahmen: TFR langfristig 1,45 (vs. 1,55 in 15. KBV); Wanderungssaldo 250.000/Jahr. 15 / 16
Kapitel 15 Datenüberblick

Zusammenfassung
der Befundlage.

Die zentralen Werte auf einen Blick. Differenzen nach Region, Bildung, Staats­angehörigkeit und Migrations­hintergrund sind bedeutsam — aber im Trend konvergent.

Aktueller Stand

TFR Deutschland 2024: 1,35

Niedrigster Wert seit 2009. Deutsche Frauen 1,23 (Niveau 1996), ausländische 1,84.

Region

Ost 1,27 · West 1,38 · Berlin 1,21

Die alte Ost-West-Linie wird heute überlagert von einem Stadt-Land-Gefälle.

Lebensverlauf

20 % der Frauen 45–49 ohne Kind

Bildungs­gradient verkleinert sich (Akademikerinnen 1973–77: 23 % vs. Nichtakademikerinnen 19 %).

Migration

42,6 % der Kinder < 5 mit MH

2. Generation passt sich rasch an Niedrig­fertilitäts-Umfeld an. Wanderungssaldo 2024: +430.000 (2025: +222.000).

Bilanz

Sterbefall­überschuss seit 1972

2023: −334.897 (Rekord). Ohne Migration kontinuierliche Schrumpfung seit fünf Jahrzehnten.

Zukunft

2070: 63,9–86,5 Mio.

Anteil 67+ steigt von 20 % (2024) auf 25 % bis 2035. Erwerbsfähige (20–66 J.) sinken in allen 27 KBV-Varianten.

Methodenhinweis: TFR ist eine hypothetische Kennzahl mit Tempo-Effekten. Reale Kohorten­fertilität (Jg. 1975: 1,58) liegt etwas höher. 16 / 16